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Oper häppchenweise - Premiere
von "Stagione d'Opera Italiana" in Romanshorn
„Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken“
– diesen Ratschlag als Rezept, um Theater-Kunst dem Volk nahe
zu bringen, gibt schon der um seinen Kartenverkauf bedachte Theater-Direktor
in Goethes „Faust“! Und Direktor Albert Phillip Schmid
des Stella-Theaters setzt noch einen drauf: „Gebt es in Filet-Stücken“!
Doch die Idee ist begrüßenswert! In nicht weniger als
44 Schweizer Ortschaften soll das „Opern-Ragout glücken“
und diesen Menschen Kunst als Erlebnis nahe bringen, welche normalerweise
nicht zum Klientel der Abonnenten eines Opernhauses gehören.
„Gluschtig machen“ nennt dies der Schweizer Direktor
von Stella, und versteht seine Firma als Entertainment mit fundierten
Kenntnissen sämtlicher Bedürfnisse eines nicht vorgebildeten
Opern-Interessenten. Dazu gehören der Moderator Hanns-Dieter
Braun, welcher mehrsprachig und auf äußerst sympathische
Art das Publikum mit den verschiedensten dramaturgischen Gegebenheiten
der jeweiligen Opernszenen vertraut macht, kostümierte Statisten,
die sich angefangen von der Abendkasse bis zur Platzanweisung um
das Wohlbefinden des Gastes kümmern und nicht zuletzt der Herr
Direktor mit Frau selbst, welche sich um das persönliche Wohl
jedes Einzelnen bemühen. So fallen alle Berührungsängste
mit der „holden“, und für manch einen in seiner
Vorstellung noch „ernsten“ Kunst und öffnen die
Aufnahmebereitschaft für das Wesentliche, die Musik.
Ein kleines, aber feines Ensemble unter Leitung von Leo Satini begleitet
Chor und drei Solisten, stellt sich aber auch selbst als Orchester
vor bei den Ouvertüren von Mozarts „Zauberflöte“
und Verdis „Nabucco“. Hervorragende Bläser, engagierte
Streicher und ein Dirigent, der es versteht, alle Farben gemäß
den verschiedenen Stilrichtungen zu mischen, lassen beim Hörer
den Geist des jeweiligen Werkes aufleben. In der Arie des Toreadors
aus Bizets „Carmen“ hören wir zum ersten mal die
Stimme von Alessandro Teliga, und sofort wird jedem klar, warum
Carmen dem wegen ihr verhafteten und des Dienstes suspendierten
Sergeanten nicht treu sein kann: diese Stimme verkörpert die
Macht der Männlichkeit und sie steigert sich in „Nabuccos“
Arie des Zacharias zur „Sternstunde“ des Operngesangs.
Tenor Giovanni Palmieri stellt sich mit „Nessun dorma“
aus Puccinis „Turandot“ vor und glänzt im Duett
des ersten Aktes aus Verdis „Traviata“ zusammen mit
der Sopranistin Tiziana Corti. Recht hat er, wenn er in der Premiere
darum kämpft, das langsamere, und in den Übergängen
freiere Tempo vom Orchester einzufordern, in der Zugabe schon zu
50% realisiert, und bei 43 verbleibenden Aufführungen mit berechtigter
Hoffnung anvisiert. Die Sopranistin Tiziana Corti schafft es schon
in ihrer ersten Arie „Miserere“ aus Verdis „Trovatore“,
dem Publikum verständlich zu machen, dass es sich hier um Musik-Theater
handelt, obwohl es bei dieser konzertanten Aufführung gerade
einmal ca. 4qm Platz zum agieren gibt. Wunderschön ihre Stimme,
perfekt und stimmungsvoll die Mimik, und im Duett „Brindisi“
aus Traviata wird auch dieser kleinste Raum dazu genutzt, Handlung
in Szene zu setzen.
Dem Chor gehört der Schlussapplaus – und wie kann es
auch anders sein – für den Vortrag des Gefangenenchores
„Va pensiero“ aus Verdis „Nabucco“, ein
Stück, bei dem die Italiener ähnlich einer Nationalhymne
mitsingen. Mitgesungen wurde hier in Romanshorn nicht, aber bei
der Zugabe mitgeklatscht als Zeichen dafür, dass des Herrn
Direktors Idee beim Publikum angekommen ist. (Markus Horsch)
Weitere Aufführungen für Südkurierleser: 19.9. Winterthur
Römertor, 20.9. Weinfelden Thurgauerhof, 25.9. Kloten Schluefwegsaal,
30.9. Frauenfeld Casino, 1.10. Wattwil Thurpark, 2.10. Wil Stadtsaal,
4.10. Rorschach Stadthofsaal, 5.10. St. Gallen Tonhalle.
Markus Horsch
Südkurier Nr. 216/K von Dienstag, den 17.
September 2002 "Kultur in der Region"
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