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Erträgliche Leichtigkeit
Gringolts spielt Tschaikowski
Es ist schon erstaunlich, dass es scheinbar die Verkaufsstrategie
des „Wunderkind-Blitzkarriere-Genies“ bei Deutsche Grammophon
immer noch gibt. Ilya Gringolts heißt der gerade 20 Jahre
alt gewordene neue Stern am Geigerhimmel, und unterzeichnete kürzlich
seinen Exklusivvertrag bei diesem renommierten Platten-Label. Ausgerechnet
Tschaikowskis Violinkonzert hat er eingespielt, und davon gibt es
ja schon durchaus immer noch gültige Aufnahmen von so großen
Künstlern wie Anne-Sophie Mutter, Gidon Kremer, Nathan Milstein
und anderen. Aber laut DG und Ilya Gringolts’ Lehrer und Förderer
Itzhak Perlmann soll sein Spiel ganz anders und etwas ganz Besonderes
sein. Dies macht neugierig.
Und in der Tat: hier wird der Hörer überrascht mit einer
ungemein jugendlichen, frischen, ungekünstelten und technisch
absolut souveränen Interpretation. Hat man sonst die russisch
schwermütige, klagend und „fett“ singende und an
virtuosen Stellen „teufelsgeigerisch-auftrumpfende“
Hörerwartung, so wird man durch diese Interpretation eines
Besseren belehrt. Ilya Gringolts entlockt seiner Stradivari eher
die feinen und schlanken Töne und erweckt so mit Tschaikowskis
Werk beim Hörer eine „erträgliche Leichtigkeit“.
Die Tempi sind klug gewählt, nichts wirkt überzogen oder
überfrachtet – und dafür sorgt natürlich auch
Itzhak Perlman, selbst Wundergeiger, und hier als Dirigent des Israel
Philharmonic Orchestra in gemeinschaftlich erarbeiteter Interpretation.
So entsteht große Kunst und dem CD-Konsumenten ungetrübter
Hörgenuss. Mit auf der CD ist auch Schostakowitschs Violinkonzert,
ein Werk für Kenner und Insider, welches der interessierte
Südkurierleser am 13. und 14. Nov. jedoch mit Ilya Gringolts
in Basel life erleben kann. (Markus Horsch)
Tschaikowski, Violinkonzert op.35 und Schostakowitsch, Violinkonzert
op.77, Solist Ilya Gringolts, Israel Philharmonic Orchester unter
Itzhak Perlman, DG 471616-2
Markus Horsch
Südkurier Nr. 221/MP von Montag, den 23.
September 2002 "Welt der Musik"
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