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Schwammige Klanggebilde
Klavierkunst
„Inspiration“ heißt die neue CD des Labels BMG,
auf der das Live-Konzert des Pianisten David Helfgott von 1987!
in Sydney remastered wurde. Schier mystisch und magisch mutet das
Abbild des „Meister“-Pianisten auf dem Booklet an, welcher
hier scheinbar mit zu Gott hin gespreizter Hand seine musikalische
Inspiration direkt aus dem Jenseits erhält. „Aha –
also eine ganz außergewöhnliche Interpretation des ersten
Klavierkonzertes von Tschaikowsky“ – denkt der neugierig
gewordene Klassik-Fan. Doch was man zu hören bekommt von diesem
so berühmten und von fast allen großen Pianisten gespielten
Werk, zeichnet sich mehr durch die bei Life-Aufnahmen durchaus üblichen
und eigentlich verzeihbaren falsch gedrückten Tasten aus, als
durch eine eigenständige oder gar als Besonderheit zu bewertende
Interpretation. Ernüchterung tritt ein, denn alles klingt interpretatorisch
ganz „normal“, aber darüber hinaus eben auch noch
ein bisschen „schlampiger“, als man es eigentlich gewohnt
ist, aus Lautsprecherboxen zu hören: Oder ist dies etwa das
Mystische, wenn sich „schwammige“ Klanggebilde in deren
zeitlicher Endphase dann doch noch als Tonleiter oder Akkordbrechung
entpuppen? Bei Rachmaninows Rhapsodie über das berühmte
Thema von Paganinis a-Moll-Capriccio für Solo-Violine, welches
auch Franz Liszt in einer seiner Paganini-Etüden schon pianistisch
verarbeitet hat, kommt der neugierige Hörer dann aber doch
noch auf seine Kosten. Hier verbindet sich der satte und dennoch
sehr differenziert ausgeleuchtete Orchesterklang zusammen mit dem
Klavierpart zu einem durchaus inspirierenden Hörerlebnis, und
für Rachmaninow-Liebhaber bietet sich die Möglichkeit,
dieses großartige, kompositorisch komplizierte und deshalb
wohl eher seltener eingespielte Werk in ihre CD-Sammlung aufzunehmen.
Markus Horsch
Südkurier Nr. 226/G von Montag, den 30.
September 2002 "Welt der Musik"
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