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Der Cellist
Heinrich Schiff zu Gast bei den Konstanzer Philharmonikern

Manchmal grenzt es schon fast an ein Wunder: Wie schafft es das Konstanzer Orchester, noch vergangenen Sonntag das letzte der Abschiedskonzerte des scheidenden Generalmusikdirektors Petr Altrichter zur Freude des Publikums dargebracht zu haben – und nun, ein paar Tage später mit neuem und unerfahrenem Dirigenten am Pult und einem Weltstar zu Gast, ein großes symphonisches Programm im Rahmen des Dvorak-Festivals auf die Beine zu stellen? Es geht! Aber eben nur mit Abstrichen. Und die sind den ausübenden Musikern keinesfalls anzulasten, denn auch ein Heinrich Schiff - immerhin auf den großen Podien der Welt gefeierter Cellist und Dirigent – hatte hier im Konstanzer Konzil-Saal seine liebe Not, trotz größter Anstrengung, 30-jähriger Konzerterfahrung und einem Stradivarius als Instrument die Musik so zum entfalten zu bringen, wie es seiner Intension entspricht. Die schlechte Akustik, welche ihn vielleicht überrascht haben mag, ist sicher ein Grund – aber auch die mangelnde Übereinstimmung mit dem Dirigenten, dessen Dirigat an den entscheidenden Stellen die nötige Hilfestellung vermissen ließ. Höhepunkte wurden nicht richtig vorbereitet, über harmonische und klangliche Besonderheiten hinweg gespielt, die Tempi waren zum Teil unstimmig und unruhig. Erst mit der Zugabe, einer Sarabande von Bach, konnte Schiff deutlich machen, wie er mit dem Medium „Zeit“ umzugehen versteht, um hier, für sich und seine Musik allein verantwortlich, ein dramaturgisch perfekt konstruiertes Klanggebilde zu erzeugen.
Rastislav Stur schlägt Takt in Dvoraks Ouvertüre „Karneval“ op. 92, als ob er einem Haufen Laienmusikern das Spielen im gleichmäßigen Tempo beibringen wollte. Trotzdem gelingen immer wieder schöne Holzbläser-Soli, eingebettet in warmen Streicherklang. Die Melodien können sich hier allerdings nicht so frei entfalten, wie man sich das gewünscht hätte. Erst gegen Ende des „Siegfried-Idylls“ von Richard Wagner wird Sturs Dirigat freier und gelöster, und lässt so die entsprechende Sinnlichkeit und phantasievolle Zärtlichkeit entstehen, die dieser Musik inne wohnt. Herrliche Horn-Soli mischen sich mit den Streicherklängen, welche zunehmend modulationsfähiger werden und vom leisesten Gesäusel bis zu lieblich und betörend sich einschmeichelnden Melodien an des Hörers Ohr dringen.
Der Höhepunkt des Abends war dann die bewegende Interpretation von Bedrich Smetanas berühmtem Orchesterwerk „Die Moldau“, bei der sich sowohl der Dirigent, als auch das Orchester in Bestleistung präsentierte. Hier war das nötige Einvernehmen zu spüren zwischen Initiierung des Dirigenten und der Ausführung seitens des Orchesters. Fantastische Holzbläserpassagen stellen klangmalerisch das Blubbern, Spritzen, Sprudeln und Rauschen des Wassers dar, darüber die sich in pathetischer Herrlichkeit erhebende Melodie – alles klanglich bestens abgemischt und perfekt einstudiert, frei, gelöst und mit entsprechender Leidenschaft vorgetragen – das war schön!


Markus Horsch

Das Konstanzer Dvorak-Festival nimmt seine Fortsetzung mit dem Kammerkonzert am Sonntag, 23.Mai 11 Uhr im Studio der Philharmonie und dem Oratorienkonzert mit „Stabat mater“ am Sonntag, 23. Mai 20 Uhr in der Stephanskirche.

Südkurier Nr. 117/G von Samstag, den 22. Mai 2004 "Kultur"


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