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Opera Italiana mit Lucia Aliberti
„Serielles Opern-Ragout” im Konzil
Puristen hätten es nicht leicht gehabt, sich an diesem Abend
in ihren Erwartungen wieder zu finden, und Opern-Liebhaber auch
nicht. Und diese Zielgruppen waren wahrscheinlich in negativer Voraussicht
der Veranstaltung auch fern geblieben. Oder war dieses Programm
im voraus gedacht, konzipiert und vorweg genommen gemäß
des jüngst erhobenen und gerade erst veröffentlichten
„Kulturbarometers“, zusammen geköchelt für
die Spaß-, Live-Erlebnis-, Action- und Unterhaltungsliebenden
„kulturellen Allesfresser“? Diese hätten dann aber
auch zahlreicher erscheinen müssen, denn der Konzilsaal war
jedenfalls trotz des verstärkten Marketings nur wenig mehr
als halb besetzt. Was es zu verkosten gab, war scheinbar zusammenhangslos
gestückeltes Allerlei – eine regelrechte „Italienische
Opern-Minestrone“. Auch die im Programmheft ausgedruckten
Texte und Inhaltsangaben konnten die in der jeweiligen Oper immanenten
und durch die jeweilige Musik ausgedrückten dramaturgischen
Zusammenhänge dem Hörer nicht wirklich vergegenwärtigen,
so dass ein jeder auf seine Vorkenntnisse angewiesen war. Von nicht
weniger als fünf Ouvertüren bzw. Orchester-Intermezzi
unterschiedlichster Stilrichtungen waren die von Lucia Aliberti
vorgetragenen Arien geadert, und auch das Orchester hatte seine
liebe Mühe, im Fünf-Minuten-Takt zwischen buffoneskem
Witz einer Donizetti-Ouvertüre zum hochdramatischen Verismo
einer Puccini-Arie zu finden. Da konnte nur vieles an Inhalten auf
der Strecke bleiben, und vielleicht war sich Chefdirigent Chrisopulos
dieser Aufgabe nicht wirklich bewusst: Er hätte die entsprechende
Konzentration und Atmosphäre auf die jeweilige Stilrichtung
hin vom Orchester einfordern müssen, denn dass dieses Orchester
Oper stilecht, dicht und mitreißend begleiten kann, weiß
man nicht erst seit der letzten so erfolgreichen Opern-Gala von
vergangenem Februar. So blieb es über weite Strecken des Abends
bei der seriellen Abfolge der einzelnen Programmpunkte und Lucia
Aliberti war es schier allein überlassen, ihr Publikum (welches
wahrscheinlich auch wegen ihr gekommen war) zu verzaubern und zu
begeistern. Dass sie dies nach anfänglichen Schwierigkeiten
geschafft hat, mag an ihrer großen Professionalität liegen.
Sie hat Geduld, Ausdauer, Weitblick und das entsprechende „Feeling“,
wie man sich ein Publikum nach und nach erobert und um den Finger
wickelt. Ihre Stimme ist nicht mehr die jüngste, „flackert“
und wird brüchig wenn sie leise hohe Töne singt. Dafür
verfügt sie aber über ein sehr kräftiges und tragfähiges
Brustregister, mit welchem sie dramatische Wirkung erzeugt, und
die in den jeweiligen Arien angelegten exponierten Fortissimo-Höhepunkte
reißen im letzten Augenblick das Publikum mit, erzeugen Bravo-Rufe
(das Auge hört mit!) und zuletzt sogar stehende Beifalls-Ovationen.
Das Orchester fand kurz vor Schluss zu seiner Höchstleistung
mit der Interpretation von Bellinis Ouvertüre zu „Norma“,
denn hier herrschte endlich einmal Klang-Homogenität innerhalb
der hohen Streicher. So kann sich Kraft entfalten, wirken Kantilenen
innig und das Orchester plötzlich fast wie entfesselt. Das
Tempo ist stimmig, die Musik schwingt, die jeweiligen Affekte zwischen
Witz, heitrer Laune und schicksalhaften Leidenschaften kommen zur
Wirkung. Das offizielle Programm endet mit dem fulminanten und in
die Herzen der Hörer dringenden Schlusston der Arie „Spargi
d’amaro pianto“ aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“
und wird nach Bravo-Stürmen um drei Zugaben erweitert: Puccinis
Lauretta-Arie „O mio babbino caro“ aus der Kurz-Oper
„Gianni Schicchi“, der Manon-Arie „In quelle trine“
und zu guter Letzt der Walzer „Libiamo ne’ lieti calici“
(eigentlich ein Duett) aus dem ersten Akt von Verdis „Traviata“
- zum mitklatschen.
Markus Horsch
Südkurier Nr. 283/H vom Mittwoch, den 7.
Dezember 2005 "Kultur in der Region"
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