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Opernabend im Konzil - Leo Nucci Ensemble
Hand auf’s Herz: Welcher Bürger hat schon die Gelegenheit,
an Karten für „Rigoletto“ an der Metropolitan Opera
in New York zu kommen, oder der Mailänder Scala? Lediglich
das Züricher Opernhaus würde sich von der räumlichen
Nähe her für große Opernerlebnisse anbieten, und
wird auch von einigen eingefleischten Fans aus der Region frequentiert.
Seit fast 30 Jahren singt Leo Nucci an diesen und anderen Opernhäusern
der Welt nicht nur den Rigoletto, sondern nahezu alle großen
Partien seines Stimmfachs, und wer ihn einmal life erlebt hat, vergisst
dies nie mehr! So gewaltig, so großartig und so ergreifend
und unverwechselbar einzigartig ist seine Stimme und sein Ausdrucksvermögen,
dass einem schier die Worte fehlen, dies zu beschreiben.
Für die allermeisten Italiener verbindet sich mit der Oper
und den italienischen Opernkomponisten wie Verdi, Rossini, Puccini,
Bellini und allen anderen eine menschliche Verbundenheit mit deren
musikalischem Ausdruck, quasi eine Seelenverwandtschaft und eine
tief empfundene nationale Identität. Diese Komponisten sprechen
den Italienern aus dem Herzen! Und unter diesem Aspekt muss man
das Geschenk des Bürgermeisters von Lodi, der Partnerstadt
der Konzilstadt, an den Konstanzer OB Horst Frank zu dessen Wiederwahl
verstehen! Er schenkt ihm und den Bürgern einen Opernabend
mit Leo Nucci.
Leider hat das Konstanzer Stadtmarketing an dieser Stelle vollkommen
versagt – dies ist die einzige Kritik an diesem Abend. Zu
wenige Konstanzer Bürger haben wahr genommen, was sich hier
an hoher Kunst bietet und an Inhalt darstellt. Das in der Annonce
angekündigte „Salonorchester“ entpuppt sich als
Ensemble von Solisten, die Arrangements dafür als Meisterwerke
der Instrumentierung, und in der Ausführung hört man eine
“Armee von Generälen“, wie Mozart es nennen würde.
Und mit Werken von Mozart beginnt auch der musikalische Teil des
Abends. Die Ausschnitte aus den Mozart-Opern „Le Nozze di
Figaro“, „Cosi fan tutte“ und „Don Giovanni“
verkörpern Städte- und Länder-partnerschaftlicher
eine Art geistige „Brücke“ zu dem folgenden musikalisch
rein Italienischen Programm. Wie demotivierend der nur halb gefüllte
Konzilsaal auf die ausübenden Künstler gewirkt haben muss.
Dies konnte man bei den Interpreten am Anfang noch spüren,
mit Ausnahme des großen Leo Nucci, der sofort seinen Stimmsitz
fand und sich, was die Interpretation anbelangt, trotzdem nicht
so recht als Mozart-Interpret zeigen konnte. Erst ab Verdis „Traviata“
kamen beide Stimmen zu ihrem größten Ausdruck, und mit
diesem ersten Eindruck wurde das Publikum auch schon in die Pause
entlassen.
In der zweiten Hälfte des Abends konnte sich auch die Sopranistin
Kayoko Tada von ihren anfänglichen Schwierigkeiten befreien
und lässt ihre Stimme immer stärker zu ihrer vollen Größe
wachsen. Unterbrochen von Nino Rotas orchestralen Filmmusik-Szenen
entwickelt sich die zweite Hälfte des Programms zu vom Ausdruck
her immer stärker anwachsenden Szenen aus Opern von Leoncavallo,
Respighi, Tirindelli und Rossini, und endet schließlich mit
der interessant instrumentierten Fassung von „La Danza“
– sängerisch fulminant interpretiert von Leo Nucci und
folglich als Initiative einer ganzen Reihe von Zugaben. Das „Largo
al faktotum“ aus „Barbier von Seviglia“ gelingt
dabei so meisterhaft, wie man es weder auf CDs, noch bei Life-Erlebnissen
jemals gehört hat – einzigartig! Stehende Beifalls-Ovationen
noch gegen 23 Uhr!
Markus Horsch
Südkurier Nr. 104 von Samstag,
den 6. Mai 2006 "Kultur in der Region"
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